Pelletsindustrie diskutiert aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen und Marktausblicke

Vom 11.-12. Juni fanden sich rund 250 Teilnehmer aus 27 Nationen in München ein, um sich mit den internationalen Experten der Pelletsbranche über die weltweiten Märkte, aktuelle Rahmenbedingungen, das ENplus-Zertifikat sowie über die effiziente und nachhaltige Produktion von Pellets auszutauschen. Das ist die Bilanz des 14. Industrieforum Pellets, einer der führenden Veranstaltungen der Pelletsbranche weltweit. 2015 fand das Industrieforum Pellets erstmals gemeinsam mit der ENplus-Konferenz und dem 3. Internationalen ENplus Auditor Workshop im Rahmen der Intersolar Europe im ICM – Internationales Congress Center München statt. Trotz der beiden vorangegangenen milden Winter, die zu einem vorübergehenden Absatzrückgang führten, sieht die Branche die internationale Marktentwicklung grundsätzlich positiv. Teilweise kritisch diskutiert wurden die Auswirkungen der 2. Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung und des Energieeffizienzlabels auf den Markt.

Zum 14. Industrieforum Pellets und zur ENplus Konferenz trafen sich die Vertreter der internationalen Pelletsbranche erstmals in München – und damit mitten im weltweit wichtigsten Markt der Pelletsbranche, Europa. Denn nirgendwo werden mehr Holzpellets hergestellt und verheizt als hier. Allein in Italien sorgen inzwischen über 2,2 Millionen Pelletsöfen für warme Wohnungen und jährlich kommen dort nach der Schätzung von Annalisa Paniz vom italienischen Verband AIEL (Associazione Italiana Energie Agroforestali) 200.000 neue Geräte hinzu. Der zweitstärkste europäische Ofenmarkt findet sich in Frankreich mit jeweils über 90.000 verkauften Geräten in den Jahren 2013 und 2014. Für Deutschland schätzt der DEPV (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.) das Marktvolumen 2015 auf mehr als 40.000 Pelletsfeuerungen. Hersteller und Verbände rechnen damit für Europa weiterhin mit einem stabilen bis wachsenden Markt.

Zwar musste die Pelletsbranche in den beiden letzten warmen Wintern, ebenso wie der gesamte Heizungsmarkt, Absatzrückgänge hinnehmen, doch europaweit stehen die Zeichen nach Expertenmeinung langfristig auf Wachstum. So lässt beispielsweise das neu überarbeitete Marktanreizprogramm (MAP) für Erneuerbare Wärme spürbare Impulse für Deutschland erwarten. Aber auch im übrigen Europa ist der Markt in Bewegung. Seit die britische Regierung auch für private Heizungen mit Erneuerbaren Energien einen Wärmetarif zahlt, hat sich die Zahl der neu installierten Biomasseheizanlagen von jährlich 275 auf 5.400 erhöht. Auch in Österreich haben die Bundesregierung sowie einige Bundesländer die Förderung für den Austausch einer fossilen Heizungsanlage durch eine Pelletsheizung angehoben – allein der Bund beispielsweise von 1.400,- EUR auf jetzt 2.000,- EUR.

Gesetzliche Rahmenbedingungen bestimmen den Markt
Ebenso wie die staatliche Förderung bestimmen die gesetzlichen Rahmenbedingungen jetzt und in Zukunft den Markt. Zwar wird das Energieeffizienzlabel für Biomassekessel in Deutschland erst 2017 eingeführt, doch Hersteller und Experten äußerten sich dazu schon vorab skeptisch. Denn vor allem im Vergleich unterschiedlicher Energieträger sei das Label hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit wenig aussagekräftig. Dem direkten Kundenkontakt und der Beratung durch den Handwerker werde daher hin Zukunft eine noch größere Bedeutung zu kommen, so Dr. Alexander Weissinger von „KWB – Kraft und Wärme aus Biomasse GmbH“. Dies gilt vor allem, da nicht nur die Einzelgeräte durch Energieeffizienzlabel ausgezeichnet werden. Für komplette Heizungssysteme erstellen Handwerker und Monteure so genannte Verbundanlagenlabels. Die Pelletskesselhersteller müssen deshalb ihre Handwerkspartner durch Schulungen und Hilfsmittel in Zukunft verstärkt unterstützen.

Teils kritische Bewertung der 2. Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV)
Auch die verschärften Anforderungen der 2. Stufe der 1. BImSchV wurden kritisch diskutiert. Dabei stellen sich die Holzkesselhersteller nicht gegen die Einführung strenger Emissionsgrenzwerte. "Hochwertige Holz- und Pelletskessel unterschreiten bei den standardisierten Typprüfungen bereits heute die geforderten Grenzwerte", so Martin Ecker, Geschäftsführer der HDG Bavaria GmbH. Er stellte zugleich dar, dass eine Messung der Emissionen im Feld und der Nachweis der Einhaltung der Emissionen durch den Schornsteinfeger Qualitätsmerkmale für das Produkt darstellen. Martin Ecker sieht das Hauptproblem darin, dass bei der Praxismessung durch den Schornsteinfeger die Betriebs- und Messbedingungen der Typenprüfung nur schwer nachzubilden und mit vielen Unwägbarkeiten wie zum Beispiel der Qualität des eingesetzten Brennstoffs verbunden seien. Deshalb sei es wichtig, für die Praxismessungen vor Ort verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die bundesweit einheitlich gehandhabt werden.

Um den Schwankungen durch unterschiedliche Brennstoffqualität gerecht zu werden, hat die VDI-Messtechnikarbeitsgruppe kurz vor Jahresende 2014 noch einen Brennstoffunsicherheitsfaktor von 7 mg Staub/m3 in die Messvorschriften aufgenommen. Unter Berücksichtigung dieses Faktors hielten  rund 93 Prozent der Pelletsfeuerungen bei einer ersten, stichprobenartigen  Erhebung der seit 01.01.2015 neu errichteten Anlagen in Bayern die Staubgrenzwerte ein. Der Brennstoffunsicherheitsfaktor stößt jedoch auf Kritik. Zwei Bundesländer haben bereits Einspruch gegen diese Vorgehensweise erhoben, einige weitere sehen sie kritisch und prüfen, die Sonderregelung nicht in die Regelungen auf Landesebene zu übernehmen. Für Schornsteinfeger und Branche gleichermaßen ein Problem, mit dem sich nun der Ausschuss zur Richtlinienverabschiedung beim VDI befassen muss.

Mehr Effizienz in der Pelletsproduktion
Neben der Marktentwicklung und den Rahmenbedingung lag ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem Thema Energieeffizienz in der Produktion. Das Thema zielt nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit. Es gilt auch gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, beispielsweise in Österreich. Gerald Kreuzhuber von Mühlböck Holztrocknungsanlagen GmbH stellte ein neues, nachrüstbares Wärmerückgewinnungssystem für Bandtrockner vor. Dadurch lässt sich die Emission von Staub senken und der thermische Energieverbrauch bei der Spänetrocknung um 40-60 Prozent reduzieren. Durch eine Kondensationsanlage für Rauchgase, die Roger Stahel von der IS SaveEnergy AG vorstellte, lässt sich die Wärmeeffizienz bei der Produktion um 40-50 Prozent steigern.

Zertifizierte Qualität: Die ENplus-Konferenz
In diesem Jahr veranstaltete das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) erstmalig eine ENplus-Konferenz im Rahmen des 14. Industrieforum Pellets. Dabei tauschten sich nationale und internationale Fachleute über die Entwicklung, Umsetzung und Vermarktung des ENplus-Zertifikats im deutschsprachigen Raum aus. Das vom DEPI eingeführte Zertifikat kontrolliert die gesamte Bereitstellungskette von der Herstellung bis zur Anlieferung beim Endkunden und bietet damit eine hohe Qualitätssicherheit und umfassende Transparenz. Neben den Fortschritten in der ENplus-Zertifizierung und aktuellen Kampagnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stand die Vorstellung des neuen ENplus-Handbuchs im Fokus. „Die wichtigsten Änderungen betreffen die Umstellung auf die Grenzwerte der neuen internationalen Qualitätsnorm für Pellets (ISO 17225-2), die im letzten Jahr veröffentlicht wurden. Darüber hinaus war es notwendig, das System an neue Geschäftsmodelle im Pellethandel anzupassen“, erläuterte Jakob Bosch, Fachreferent beim DEPI.


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